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Kunst verbindet Kulturen

Pinselstrich für Pinselstrich – für Roya Soleiman Nejad ist die künstlerische Arbeit meditativ.
Zum Weltfrauentag wird deutlich, wie wichtig Räume für Austausch und Solidarität sind. Das Frankfurter Projekt “Frauenwelt” zeigt, wie Frauen durch Kreativität und Begegnung gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Wenn Frauen gemeinsam malen, Schmuck gestalten oder Makramee knüpfen, werden mehr als Kunstwerke erschaffen: Es entstehen Begegnungen, ein Gefühl von Gemeinschaft und der Mut, Neues auszuprobieren. Genau hier setzt das Projekt “Frauenwelt: Kunst, Begegnung, Vielfalt“ des Academy Vereins für Bildungsberatung e.V. an, das im Rahmen des Bundesprogramms ”Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Vor Ort. Vernetzt. Verbunden" (BGZ) mit Fördermitteln des Bundesministeriums des Innern gefördert wird.
Ziel des Frankfurter Projekts ist es, Frauen mit und ohne Migrationsgeschichte zusammenzubringen und soziale Isolation abzubauen. Gleichzeitig schafft das Projekt Räume, in denen Austausch, Kreativität und gegenseitige Unterstützung wachsen können. Damit stärkt es ganz konkret das, wofür rund um den 8. März vielerorts öffentlich geworben wird: echte Teilhabe und Sichtbarkeit von Frauen.
Wenn Kunst Türen öffnet
Projektleiterin Hanife Citlak, 28, koordiniert das Projekt “Frauenwelt” seit fast einem Jahr. Ihr Weg ins Projekt begann ehrenamtlich. „Ich habe selbst erlebt, wie wichtig es ist, Anschluss zu finden und sich zu integrieren“, sagt sie. Aus dem Ehrenamt wurde ein Minijob, schließlich übernahm sie die Projektleitung.

Hanife Citlak leitet das Projekt "Frauenwelt" – sie organisiert Workshop-Blöcke, verwaltet die Anmeldungen, plant Ausflüge und Austauschformate und ist Ansprechpartnerin für alle großen und kleinen Sorgen.

Aus Ideen werden Kunstwerke, wie hier die selbstgestalteten Perlenketten.
Momentan läuft ein Malerei-Workshop, in dem sich die Teilnehmerinnen wöchentlich für jeweils zwei Stunden in einem Atelier treffen. Jede Frau arbeitet an ihrer eigenen Staffelei, mit eigenen Materialien, aber nie allein. “Kunst ist für uns eine Brücke”, erklärt Citlak. “Sie verbindet, auch wenn die Sprache noch nicht reicht.”
Frankfurt ist eine Stadt mit kultureller Vielfalt: 57 Prozent der Bevölkerung haben eine Migrationsgeschichte. Viele von ihnen leben in den Stadtteilen Griesheim und Gallus, auf die sich das Projekt besonders konzentriert. Oft fehlt Frauen dort ein physischer und sozialer Raum, in dem sie Kontakte knüpfen und Teilhabe erleben können.
Frauen stärken Frauen
Die Teilnehmerinnen im aktuellen Workshop kommen aus unterschiedlichen Ländern, unter anderem aus der Türkei, Afghanistan oder dem Iran. Viele haben familiäre Verpflichtungen, besuchen Sprachkurse oder suchen Arbeit. “Oft bleibt sehr wenig Raum für sich selbst”, sagt Citlak. Genau diesen Raum will das Projekt schaffen: einen geschützten Ort, an dem Frauen Zeit für sich haben. “Wir hören die Frauen”, betont Citlak. Dieses Gefühl, ernst genommen zu werden, stärke Selbstbewusstsein und Zugehörigkeit.
Dass das Projekt über die Workshopzeiten hinaus wirkt, zeigt sich an den entstandenen Netzwerken. Es gibt WhatsApp-Gruppen, private Treffen, gegenseitige Unterstützung bei der Jobsuche oder beim Deutschlernen. “Die Frauen helfen einander”, sagt Citlak. Die Nachfrage nach freien Plätzen in den Kreativ-Werkstätten ist groß: Die15 Plätze im aktuellen Workshop sind voll. Es gibt eine Warteliste.

Ein Ort zum Ankommen – Duygu Dönmez nimmt schon zum zweiten Mal an einem Kreativ-Workshop teil
Mehr als ein Workshop
Wie sich “Frauenwelt” aus Sicht der Teilnehmerinnen anfühlt, beschreibt Duygu Dönmez, 36, Studentin des Wirtschaftsrechts. Sie lebt in der Nähe des Ateliers und wurde über Instagram auf das Projekt aufmerksam. Nach einem Makramee-Kurs im vergangenen Jahr ist sie nun erneut Teilnehmerin. "Hier kann ich den Alltagsstress loslassen", sagt sie. Gleichzeitig entstünden Kontakte. "Im letzten Workshop habe ich eine Freundin gefunden, mit der ich mich bis heute austausche und treffe."

Pinselstrich für Pinselstrich – für Roya Soleiman Nejad ist die künstlerische Arbeit meditativ.
Besonders schätzt die Studentin die Atmosphäre im Atelier: “Es ist ein Gemisch aus Sprachen und Kulturen. Ich fühle mich hier sehr wohl.” Das Angebot sei niedrigschwellig. “Zunächst unterhält man sich über die Kunst und ohne es zu merken, geht die Unterhaltung plötzlich tiefer.” Das Atelier sei ein Safe Space, ein sicherer Ort, an dem jede ohne Angst hinkommen und einfach sie selbst sein könne.
Auch Roya Soleiman Nejad, 56, ist schon zum zweiten Mal als Teilnehmerin dabei. “Alle sind hier so freundlich und offen”, sagt sie. “Und ich habe viele neue Kulturen kennengelernt.” Die lange Anfahrt mit der S-Bahn aus Rüsselsheim nimmt sie für den Kreativkurs gern in Kauf. Kunst sei für sie wie Meditation. “Ich fühle mich einfach gut, wenn ich hier bin”, sagt sie. “Und ich habe Freundinnen gefunden.”
Ein Atelier für den Zusammenhalt
Die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms “Gesellschaftlicher Zusammenhalt” ermögliche es, die Angebote kostenfrei und strukturiert anzubieten, so Projektleiterin Citlak. Für sie ist die Förderung ein entscheidender Faktor: “Ohne sie könnten wir das Projekt so nicht umsetzen.” Gleichzeitig profitiere das Projekt vom Austausch mit anderen geförderten Initiativen.
In einer Stadtgesellschaft, die von Vielfalt geprägt ist, entstehen so kleine, aber nachhaltige Netzwerke. Oder wie es eine Teilnehmerin formuliert: Man geht mit einem guten Gefühl nach Hause – inspiriert, gestärkt und ein Stück weniger allein.